Facebook Faces
05.12.2011 | Autor: Julia Christian | in: Stars
Es ist wohl leider so: Wenn es um Facebook geht, sind aus uns Skeptikern Gewohnheitstiere geworden. Erst waren wir aufgeregt, dann kritisch und inzwischen ist das regelmäßige Abrufen des News-Feed so selbstverständlich wie der Blick in den Email-Account.
Facebook hat sich Raum in unserem Alltag erobert und wurde irgendwo auf dem Weg dahin zum Raum, der realer als der Alltag selber ist.
Denn wüssten wir in der Realität tatsächlich vom Geburtstag eines Kollegen, der drei Büros weiter sitzt? Wie oft telefonieren wir mit unseren Geschwistern, so dass uns keine ihrer Prüfungen, Sorgen und neuen Bekanntschaften entgehen? Und was gäben wir von unserem Urlaub tatsächlich an unseren Ex-Freund preis, würde man ihm zufällig auf der Straße begegnen?
Die beiden Kunststudenten der Klasse Neue Medien der KH Kassel Jonathan Pirnay und Jörn Röder haben sich mit Facebook als eben jene Meta-Realität beschäftigt und sie in ihrem Projekt “Facebook Faces” räumlich umgesetzt. Indem sie den kleinsten gemeinsamen Nenner, den jeder mit 800 Millionen Menschen zu teilen bereit ist – das eigene Profilbild – zu einer Tapete machten, die aus unzähligen Profilfotos besteht, haben sie den digitalen mit dem greifbaren Raum verknĂĽpft. Ăśbergeordnet geht es um die Flut der Bilderwelten, die täglich auf uns einstĂĽrzt, um Information als Gut. Die Fragen wie sehr uns die Unterscheidung zwischen Ă–ffentlichem und Privatem ĂĽberhaupt noch bewusst ist und, inwiefern der Mensch durch Algorithmen zu erfassen ist.
Das ganze Interview mit den beiden gibt es auf Ignant und ist jedem ans Herz zu legen, der sich zumindest schon mal kritisch die Frage nach Sinn und Unsinn einer solchen Realitätsgestaltung gestellt hat.
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